Donnerstag, 6. Dezember 2012

Von Kerzen und Klößen

Ich weiß nicht, was genau der Grund dafür ist, dass ich in den Gottesdiensten meiner Heimatgemeinde in letzter Zeit immer häufiger mit Tränen kämpfen muss. Es ist das selbe Buch, über das gesprochen wird, der selbe Pfarrer, das selbe Gebäude, die selbe Gemeinde wie schon immer. Noch vor ein paar Jahren war ich ein fester Teil dieser Gemeinschaft, war das alles völlig normal.

Wenn ich heute zwischen all diesen Menschen in unserer wunderschönen Kirche sitze, wächst bei jedem ergreifenden Wort, jedem schön formulierten Gebet, jedem Lied, in dem ich mich wiedererkenne ein immer größerer Kloß in meinem Hals. Ich frage mich, wann ich das letzte Mal ein Tauflied komplett mitsingen konnte und nicht nach wenigen Versen abbrechen musste, um nicht vor der versammelten Gemeinde zu weinen, weil diese Zeremonie immer wieder so unglaublich bewegend ist. Bin ich aus meinem Alltag wirklich so wenig Emotionalität gewohnt?
Wenn die Kurrende zu Beginn des Adventsgottesdienstes mit ihren schwarzen Mänteln und weißen Krägen und einer Kerze in der Hand auf dem Altarplatz steht, der Pfarrer wortlos den ersten Docht anzündet und die Kinder das Licht immer weiter geben, bis sie umher laufen und die vielen Kerzen auf den Kirchenbänken zum Leuchten bringen und später mit ihren zarten, hellen Stimmen von der Liebe unter den Menschen singen, frage ich mich, wieso wir nicht manchmal einfach denken können wie ein Kind.

Ich glaube meine Tränen sind Erleichterung, Hoffnung, dass es so etwas in unserer heutigen Gesellschaft noch gibt. Menschen, die von Liebe sprechen, statt von Neid, die aufmerksam und hilfsbereit sind, statt einfach aneinander vorbei zu gehen, die wissen, was Advent wirklich bedeutet und die das gemeinsame Ziel haben, ein bisschen Licht in diese dunkle Welt zu bringen. Es ist das Gefühl von Geborgenheit und Annahme zwischen all diesen altbekannten Gesichtern, die Tatsache, dass sich mein Leben in diesen eineinhalb Stunden mit Gott vollkommen richtig anfühlt, ich getröstet werde und einen neuen Weg vor mir sehe, einfach glücklich bin und merke, wie sehr mir solche Impulse gefehlt haben.
Wie viele Christen (ich schließe mich nicht aus) gehen sonntags fromm zur Kirche und machen am nächsten Tag trotzdem keinen Unterschied zur grauen Masse. Und doch bin ich sicher, dass diese einmalige Atmosphäre in jedem von uns etwas hinterlässt, unser Verhalten ein kleines bisschen ändert. Und wenn es nur ein Lächeln ist, das wir dem nächsten Passanten auf dem Heimweg schenken. 



Kommentare:

  1. Liebe Cindy,

    Kurz in eigener Sache: Beim Lesen von Rafik Schamis Buch, habe ich irgendwie die ganze Zeit an dich gedacht- ich glaube es würde dir gefallen. Und dieser Post hat das nochmal bestätigt, da du so wundervoll über kleine Momente staunen kannst und ein so ein weiches Herz hast.
    Darum habe ich am letzten Tag des Projektes noch ein zweites Buch geholt und würde es dir gerne zukommen lassen, wenn du möchtest. Allerdings bin ich derzeit etwas im Stress, so dass du dich noch gedulden müsstest. Nur mal so als Vorwarnung, damit du nicht auf die Idee kommst es auf deinen Wunschzettel zu setzen. ;)
    Wenn das ok wäre für dich, erreichst du mich zwecks Adressübermittlung unter folgender Email: Calantha89[ÄT]gmail.com

    Und was die Emotionalität angeht, da würde ich gerne soviel schreiben, aber dann weiß ich nicht wie es ausdrücken soll. Aber ich kann dir sagen, für mich ist das ein Zeichen von Demut, Glaube und gleichzeitig ein Geschenk- denn viele Menschen können gar nicht so fühlen- selbst wenn sie es wollten.

    Liebe Grüße.

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    1. Wow, wie bitte? Aber du willst es mir nicht schenken, oder?
      Ich bin dir schon sehr dankbar für den Tipp und deinen lieben Kommentar!

      Leider weiß ich manchmal nicht, wie viel von meinen Gefühlen und privaten Gedanken ich preis geben sollte und versuche oft, sie allgemein zu fassen. Eigentlich überrascht es mich ja gerade selbst, dass ich in solchen Momenten so emotional sein kann. Im Alltag habe ich immer das Gefühl stark sein zu müssen, musste in den letzten Wochen einige Dinge verarbeiten und habe versucht, zu starke Gefühle zu verdrängen.. Aber in solchen Gottesdiensten überkommt es mich dann einfach und all diese angestaute Last fällt von mir ab. So wie es mein Taufspruch sagt: "Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch." 1Petr 5,7. Irgendwie schön, das so deutlich zu spüren. =)

      Liebste Grüße

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    2. Hm? Natürlich geschenkt. Was denkst du denn? ;) Keine Sorge, ich habe das Buch ja auch gratis bekommen- ich stürze mich damit also auch nicht in Unkosten.

      Ja es gibt auch viele Dinge die ich auf meinem Blog nicht schreibe- obwohl ich eigentlich gerne wollte...aber es ist dann doch zu privat. Oder auch nicht? Ich weiß es nicht, aber man weiß ja nie wer mitliest und ich möchte auch keine wahnsinnigen Grundsatzdiskussionen führen- oder mit diversen Themen Leute anlocken, die vielleicht keine guten Absichten haben.
      Und ich glaube, wenn ich was zu meiner Religion schreibe, dann kommen auch gleich alle angestürzt- meine Religion ist leider Lieblingsthema von Leuten die Steit suchen und nicht grad Gesellschafts- oder Disskusionstauglich.

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    3. Oh das ist wirklich lieb von dir! =) Mir hat schon deine
      Rezension so gut gefallen und jetzt bin ich echt gespannt ;)

      Ich bin ein Mensch, der ziemlich gerne diskutiert. Natürlich respektvoll und mit nachvollziehbaren Argumenten. Deswegen kommen mir solche Religionskritiker manchmal gerade recht ;) Meist kommt man ja aber zu dem Ergebnis, dass wir nicht nachweisen können, dass es Gott gibt und kein Atheist beweisen kann, dass es ihn nicht gibt. Am Ende ist das eben keine Sache der Argumente, sondern des Glaubens. Trotzdem kann man so manchmal Missverständnisse aufklären und viele kommen zu der Einsicht, dass Religion (nicht die Institution Kirche) an sich nichts schlechtes ist. Aber du hast Recht, mit manchem Menschen, die dann unsachlich werden und einen beschimpfen, geht das einfach nicht. Ich hoffe du hattest damit noch nicht allzu schlimme Erfahrungen.
      Auf meinem Blog werden solche Posts meist eher ignoriert, wahrscheinlich nich so gern gelesen, aber ich möchte ja über die Dinge schreiben, die mir wichtig sind und mich nicht verstellen.

      Liebste Grüße

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    4. Mich nerven solche Menschen total. Da gibt es Nichts zu diskutieren, es ist einfach so. Glaub es, oder glaub es nicht, aber die sollen mich in Ruhe lassen. Ich bin überzeugt. Aber nur weil man glaubt- ist man dann plötzlich engstirnig. Ich lasse Jeden so leben wie er will und nicht mehr und nicht weniger erwarte ich mir auch. Aber das "Leben lassen wie man will" gilt leider nur in eine Richtung. Nach meiner Konversion (zum Islam- jetzt is es raus ;D) durfte ich mir so Einiges anhören. Wie könnte ich nur meine Menschenrechte freiwillig abgeben, ich könnte ja auch Christ werden, was will ich mit Verbrechern etc. Die Wahrheit ist- es ist gar nicht so wie man denkt und ich habe mich nie lebendiger und freier gefühlt. Die Einzigen die mir Rechte absprechen, sind mein Umfeld. Und das hatte zur Folge dass ich nun fast alle sozialen Kontakte abgebrochen habe. Aber ok- Bist du mit Gott- bist du nie allein. :)

      Schreib ruhig weiter über religiöse Dinge- Ich lese das immer mit Freude :)
      Liebe Grüße.

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    5. Wow, das muss wirklich ein riesiger Schritt gewesen sein und ich kann mir gut vorstellen, dass du mit dieser Religion auf noch weniger Verständnis triffst.
      Ich finde es super, wie du zu deiner Überzeugung stehst und daran, dass es dir damit so gut geht werden auch alle anderen irgendwann sehen müssen, dass es die richtige Entscheidung war.

      Ich würde sehr gerne wissen, wie du deinen Glauben im Alltag lebst und was genau dich zu deiner Konversion bewegt hat, aber ich kann gut nachvollziehen, dass das schwierige Themen für einen Blog sind.

      Ich wünsche dir viele offene und tolerante Menschen, die deine inspirierende Art zu schätzen wissen =)
      Liebste Grüße

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    6. Wenn du möchtest schreibe ich dir eine (lange) Email. :)

      Liebe Grüße.

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    7. Mach das! Es würde mich wirklich interessieren =)

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  2. Ich bin zwar nicht kirchlich, aber du hast mit deinem Text vollkommen Recht, dass man sich wirklich fragen kann, wo die Emotionalität heut zu Tage geblieben ist!

    Heute am Nikolaus habe ich auch wieder festgestellt, wie wettgeeifert wurde, wer das meiste und tollste heute bekommen hat. Da hab ich mir ernsthaft an die Stirn gefasst und Gedacht, dass das Thema Liebe in dieser Zeit besonders großen Wert hat, aber das die ganzen verwöhnten Menschen heut zu Tage nicht mehr verstehen!!! Meine Eltern haben mir was Süßes geschenkt und darüber habe ich mich mehr gefreut, als über alles andere, weil ich weiß, dass es bei ihnen von Herzen kommt. Auch wenn es manchmal nicht einfach ist, aber besonders in der Weihnachtszeit wird mir immer wieder klar, wie wichtig doch die Menschen für mich sind, mit denen ich tagtäglich zusammen bin und wie sehr ich sie liebe!

    Liebe Grüße (:

    PS: Ich muss sagen, dass mir dein Blog sehr gefällt und würde mich freuen, wenn du meinen vielleicht auch mal besuchst! (:

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar. =)

      Ich hoffe es wirkt nicht so, als würde ich nicht gläubige Menschen als ignorant und oberflächlich hinstellen. Mir selbst fallen die genannten positiven Eigenschaften nur vor allem in solchen christlichen Gemeinschaften auf.
      Ich finde deine Einstellung super. Ich habe heute einen Brief von meiner lieben Oma bekommen, in dem eine süße Karte und zwei Holzanhänger waren. Darüber habe ich mich riesig gefreut und kann auch nicht verstehen, wie viel Geld manche Eltern an diesem Tag ausgeben.

      Deinen Blog schau ich mir gerne näher an =)
      Liebste Grüße

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