Dienstag, 20. November 2012

Verantwortung

Heute mussten wir unsere süße, kleine, 7-jährige, schon zweifach verwitwete Wellensittichdame von ihren Leiden erlösen.

Ursache: Ein Tumor, was sonst?
Warum stirbt denn ein großer Teil der Ziervögel an Geschwüren? Warum können viele Hunde durch ihre unnatürlich geformten Nasen kaum noch atmen oder haben ständig Gelenkprobleme? Wegen Überzüchtung!
Ich für meinen Teil brauche weder genetisch verfärbte Vögel noch haarlose Katzen. Die Natur ist perfekt, so wie sie ist. Seit Jahrmillionen hat sie sich entwickelt, angepasst, bewährt. Wie kann ein Mensch sich anmaßen, mit diesem so empfindlichen, hochkomplexen Erbgut umzugehen wie mit einem Legobaukasten?
Schon lange haben wir uns von umständlichen, zeitaufwendigen Züchtungsmethoden verabschiedet. Heute nutzt man Gentechnik - ein Begriff, der sowohl Begeisterung als auch Ekel in mir weckt. Ihre Chancen und Risiken haben wir oft genug durchgekaut, in meinem Wahlgrundkurs "Biotechnologie" in der Schule und nicht selten habe ich das Klassenzimmer mit einem flauen Gefühl im Magen verlassen. Und doch lässt es mich nicht los. Erbkrankheiten heilen? Medikamente für alle vorstellbaren Beschwerden finden? Die Welternährung sichern? Verseuchte Ökosysteme sanieren? Unmöglich ohne Erforschung und Veränderung von Erbanlagen.
Aber Säugetieren Gene einer Anemone einpflanzen, damit sie im Dunkeln leuchten? Chimäre (Mischung aus verschiedensten Tierarten) erzeugen, die nicht einmal ansatzweise lebensfähig sind? Tiere klonen? Nichts als verantwortungslose und selbstgerechte Spielerei! Wisst ihr, was passieren könnte, wenn genetisch veränderte Bakterien oder Pflanzensamen durch einen Unfall in die Umwelt gelangen würden?

Mensch - die Natur ist einige Nummern zu groß für dich! Du kannst sie bewundern, erforschen, nutzen, aber du verstehst sie nicht einmal ansatzweise. Lass die Finger davon, du hast schon genug kaputt gemacht! 


Mach's gut, kleine Luzy. Sag deinen zwei Jungs einen
schönen Gruß und sei diesmal nicht ganz so frech zu ihnen.
Du wirst uns fehlen <3


Kommentare:

  1. Immer traurig, wenn Haustiere eingeschläfert werden müssen. Trotzdem ist es oftmals die bessere Lösung. Hoffe, du kommst damit einigermaßen klar?

    Zum restlichen Text: ich kann dir bei allem zustimmen!

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  2. "Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen." - Albert Schweitzer
    Auch wenn es "nur" ein Vogel war. Jeder Abschied ist traurig und nicht einfach.
    Und wovon du redest, ich stimme dir vollkommen zu. Ich kann sogar selber gut ein Lied davon singen, denn ich studiere Biologie. Was man da so mitbekommt...da rege ich mich auch gerne über solche Sachen auf.

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  3. Es ist sooo traurig, wenn man sich viele Jahre an ein liebes Tier gewöhnt hat... Mein Flocki (blau-weißer Wellensittich) ist dieses Jahr auch gestorben, nach 12 Jahren. Er hatte ebenfalls eine Art Tumor. Genauer gesagt ein "Lipom" - und dabei haben wir ihm gar nicht so viele, süße Stangen gegeben. Wir hatten (leider zu spät) gelesen, dass man das mir Globoli behandeln kann (die Tierärztin wusste nichts, außer dass man ihm nichts Süßes mehr geben sollte...) und wir haben das dann auch versucht. Leider war das Lipom dann doch schon zu weit entwickelt, sodass er eine Weile später daran gestorben ist. Interessanter Weise war er bis zum Ende hin noch sehr munter und hat noch viel gezwitschert, nur eben sehr träge, weil ihn diese dicke Fettwulst doch sehr störte. Unser vorheriger Wellensittich (hatte auch eine Art Tumor leider) war dagegen zu seinem Ende hin sehr traurig und putzte sich nicht mehr etc. Wirklich schade, dass die Tiere so leicht zu Tumoren neigen und man ihnen nicht helfen kann (ok das Lipom hätten wir entfernen lassen können, aber da bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit des Verblutens und das wollten wir ihm nicht antun, er war ja auch nicht mehr so jung mit seinen 12 Jahren...).

    Wünsche dir alles Gute! Mein Beileid für deine kleine Luzy!

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  4. Arme kleine Luzy, aber wenigstens ist sie jetzt wieder mit ihren Jungs zusammen. Ich war auch total traurig, als mein Kater gestorben ist. Er war aber nicht krank oder so. Sondern wurde von einem Auto angefahren, dabei wohnen wir nicht an einer Haupstraße, aber nachts rasen die Leute immer so... Sogar meine Katze hat getrauert und eine Woche lang fast nichts gefressen.
    Aber das mit dem Überzüchten und so finde ich auch total schrecklich und völlig nutzlos. Schließlich sollte man doch meinen, dass man ein glückliches Tier haben möchte, dass ein schönes Leben führen kann ohne Einschränkungen. Schließlich ist es ja keine Puppe zum Hübsch aussehen und hinstellen.
    Das Problem dabei ist aber auch, dass viele Halter nicht wissen, dass ihr Tier überzüchtet ist oder eine spezielle Züchtung ist. Die wenigsten machen sich darüber Gedanken. Ich studiere ja auch Bio und war schon öfters erschrocken, was es alles so gibt und woran geforscht wird. Ich finde die Menschen sollten nicht versuchen "Gott zu spielen".

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  5. Vielen Dank für eure liebe Anteilnahme.
    Dadurch, dass ich nur noch an den Wochenenden zu Hause bin und wir uns schon länger damit abgefunden hatten, dass sie nicht mehr gesund werden wird, war es gestern leichter, als bei meinen vorherigen Haustieren.
    Trotzdem ist es natürlich schrecklich, diese Entscheidung zu treffen, wenn sie ja eigentlich noch ganz lebendig war, einen mit ihren Knopfaugen angeguckt und leise gezwitschert hat. Aber sie konnte sich ja kaum noch bewegen, war ganz abgemagert, es war Tierquälerei.

    @Juli: Mein erster Wellensittich ist an einer Kropfentzündung gestorben, die anscheinend durch solche Knabberstangen ausgelöst wurde. Wirklich schrecklich, dass so etwas verkauft werden darf.

    Ich hoffe der Mensch kommt irgendwann noch zur Vernunft, obwohl es ja eigentlich schon zu spät ist.
    Euch allen nachträglich herzlichen Beileid, eure Geschichten klingen wirklich traurig.

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  6. Das tut mir unheimlich leid für dich.
    Ich kenne so etwas nur zu gut.
    Ich selbst hatte in meinem Leben schon viele Tiere bei mir gehabt, die nach und nach gestorben sind. Bei den meisten war es Krebs, oder aber auch ein Abszess etc.
    Du hast vollkommen recht in dem, was du geschrieben hast. Du sprichst mir quasi aus der Seele.
    Nicht umsonst habe ich mich schon vor über 15 Jahren für ein absolut vollständig vegetarisches Leben entschieden (vollständig vegetarisch heißt natürlich auch: keine Produkte mit Gelatine oder sonstige Tierstück-Produkte, über 60-70% aller klassischen Supermarkt-Lebensmittel fallen da raus), keine Kosmetik mehr aus Tierversuchen usw.
    Der Mensch tut zu viel Grausames, als daß man das dulden dürfte.
    Und warum unterscheidet der Mensch zwischen dem Hund, der auf dem Sofa sitzen darf, und dem Schwein, daß er brutal mästet und später ermordet?

    Aber sei dir gewiss, daß deine 3 Wellensittiche immer bei dir sein werden, zu dir aus dem Himmel herabschauen und dir jeden Tag ein Liedchen singen :-)

    Liebe Grüße
    Romy

    http://romyfischer.blogspot.de

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    1. Das ist lieb von dir, danke. =)
      Über eine vegetarische Lebensweise mache ich mir auch viele Gedanken, aber derzeit bin ich noch der Meinung, dass auch ein bewusster und maßvoller Umgang mit tierischen Produkten aus guten Verhältnissen vertretbar ist. Ich habe aber großen Respekt vor dir, dass du dich schon so lange an diesen Lebensstil hälst und damit auch für andere ein Zeichen setzt.

      Liebste Grüße

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  7. Danke dir für deine tolle rückmeldung<3
    ich gebe deinem post absolut recht, mein welli hatte ebenso ein geschwür und die letzten wochen beim tierarzt waren... naja sehr schwer.
    Ich verstehe den Sinn hinter Gentechnik auch nicht, zumindest nicht wenn sie aus Mode praktiziert wird. Einfach abstoßend sowas.

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