Montag, 15. Oktober 2012

True Love

Was ist Liebe? Ich will jetzt nichts von Romeo und Julia hören, kein Ende irgendeines Märchens und kein Zitat aus einem kitschigen Frauenroman. Es geht mir um die ganz reale Liebe. Hier und jetzt. Während einer langweiligen Vorlesung an einem trüben Montagmorgen im Herbst.
Sicher ist sie mehr als ein Hormoncocktail, den uns unsere tierischen Vorfahren mitgegeben haben, welcher uns das Gegenüber unwiderstehlich erscheinen lässt und zu verpflichtendem Nachwuchs führt, bevor der Rausch nachlässt.
Nein, Liebe ist viel mehr, aber welcher Mensch maßt es sich an, sie zu definieren? Wer kann von sich sagen: "Ich weiß genau, was Liebe ist! Ich kann dieses Wort für die Allgemeinheit festlegen."? Die meisten be-
schreiben dabei nicht Liebe, sondern das Gefühl erster Verliebtheit, einige verwechseln sie mit sexueller Anziehung, andere erklären einen Zustand, der auch "sehr innige Freundschaft" heißen könnte.
Ist unser Bild von der Liebe nicht komplett verfälscht durch all die Frauenromane und amerikanischen Kitschfilme? Wie hat mir damals das Herz geschmerzt, als ich mit 13 schluchzend meine Lieblingsbücher verschlang. Aber ich denke die wenigsten von uns gelangen zufällig durch eine Zeitreise ins Schottland des 18. Jahrhunderts und werden von einem gutaussehenden Highlander aufgegabelt, der uns bis ans Ende unserer Tage zigmal in letzter Sekunde das Leben rettet.
Manchmal frage ich mich, wie ein Bauernmädchen vor 200 Jahren die Liebe erlebte. Vorausgesetzt, es wurde nicht mit 15 an den nächstbesten Gutsnachbarn verheiratet. Wie empfindet man Liebe ohne Er-
wartungen, ohne Bilder von perfekten Liebespaaren im Kopf, ohne Fremdmeinungen und festgesetzte Vorstellungen? 
Heute glaubt kaum noch jemand an die wahre Liebe. Nur noch knapp die Hälfte aller jungen Menschen plant überhaupt, langfristig mit ihrem Partner zusammen zu bleiben. Und die andere? Wartet auf ihren perfekten Prinzen auf dem weißen Pferd, obwohl wir vielleicht eher eine Beziehung wie die unserer langverheirateten Eltern oder Bekannten, als die von erdachten Kino- und Märchenhelden anstreben sollten.

Eigentlich können wir froh sein, dass wir uns so viele Gedanken über die Partnerwahl machen dürfen. In den meisten Ländern dieser Erde werden Frauen noch immer unterdrückt und müssen für den aufge-
zwungenen Mann Kinder zur Welt bringen, lange bevor sie selbst erwachsen sind. Doch die Liebe zu zerdenken ist das schlimmste, was man ihr antun kann. Deswegen beende ich diesen Post mit der Behauptung, dass jeder, egal welcher Herkunft, welchen Alters und welcher Mentalität, seine eigene Definition dieser Gefühle finden und sich nicht von fremden Vorstellungen abhängig machen sollte.

Liebe braucht Mut. 
Liebe ist selbstlos.
Liebe ist, wenn Treue Spaß macht.
Liebe ist, sie nicht mehr erklären zu wollen.
Oder doch ganz anders? 

Kommentare:

  1. Huhu

    Das hast du wirklich gut geschrieben.
    Ich finde es schade, dass viele Menschen garkeine Partnerschaft mehr wollen. Es ist doch schön, wenn man zu zweit ist.

    Liebe Grüße, Tenzi

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  2. Ich glaube das Bauermädchen hatte ähnlich (zeitgemäß) kitschige Liebesvorstellungen wie wir - nur dass sie die Realität schneller eingeholt hat.

    Ein Beispiel: die griechische Mythologie. Da zieht eine ganze Stadt aus um Helena nach hause zu holen, da rudert Odysseus zehn Jahre durch die Meere um wieder zu seiner Penelope zu kommen, die währendessen andere Verehrer geschickt abwimmelt. Und das war Jahrhunderte vor Christus!

    Im Mittelalter die Barden hatten auch einige Liebesgeschichten drauf - das Nibelungenlied zB.

    Das geht genauso mit den Volksmärchen weiter: ein Prinz, der die Prinzessin wach küsst, sich durch hundert Jahre alte Rosen kämpft oder versucht sie aus einem Turm zu erretten und dabei selbst das Augenlicht verliert. Grausam, tragisch, bittersüß und restlos romantisch. Die Gebrüder Grimm haben da oft nur Bestehendes niedergeschrieben.

    Vielleicht hat sich das Bild von Liebe bzw. dem perfkten Partner geändert, aber Schwärmereien und Wunschdenken, sowie 'Vorbilder' gab es schon immer ;)

    Grüße

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    1. Das stimmt natürlich. Die Menschen hatten zu allen Zeiten ihre verklärte Vorstellung
      von der Liebe. Aber ich glaube, dass diesen der Kontrast zur Wirklichkeit viel eher
      bewusst war. Heute denken viele, eine Beziehung müsse wirklich so aussehen wie in
      Teeny-Serien oder Liebesromanen und verlassen ihren Partner, sobald Routine einkehrt.

      Ich glaube einfach, dass Internet und Fernsehen und vor allem das ewige Vergleichen
      mit anderen Paaren unserem Bild von der Liebe schaden. Beim Bauernmädchen stelle ich
      mir vor, dass es nicht ständig nach einem Menschen suchte, der vielleicht noch besser
      zu ihm passen könnte, dass es glücklich war, weil es nur die begrenzten Eindrücke ihres Dorfes und die Liebe nicht anders kannte. Aber wahrscheinlich war der Mensch allgemein,
      trotz oder gerade wegen des Überflusses noch nie so unzufrieden wie heute.

      Das klingt alles so negativ. Ich selbst lebe in einer glücklichen Beziehung. Ich bin
      nur ein Mensch, der zu viel nachdenkt und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mich
      mit solchen irrealen Idolen vergleiche.

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  3. Es ist gut in der heutigen Zeit mehr Freiheiten zu haben, aber es kann auch anstrengt sein.
    Die Liebe richtig zu definieren wird wohl immer ein Problem bleiben. Jeder muss sie für sich selber definieren. Leider vermitteln uns die Medien wirklich ein falsches Bild von der Liebe und einer glücklichen Beziehung. Die romantische Liebe ist schön und gut, aber was nach der Verliebtheit kommt, wie die richtige Liebe aussieht, darüber machen sich leider die wenigstens Gedanken oder interpretieren es falsch. Einer der Gründe, warum viele Beziehungen nicht halten.

    Es ist schön mal zu lesen, wie andere versuchen Liebe zu definieren und darüber denken. Ich habe mir schon so manche Nacht darüber den Kopf zerbrochen. Aber im Grunde beschreibt das Wort Liebe doch schon alles. Außerdem ist es doch schöner sie zu leben, anstatt unzählige Stunden darüber zu grübeln, wie man sie am besten in Worte fasst. Natürlich gehört das auch dazu, aber letztendlich gelingt es doch nie vollkommen, oder?

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    1. Das entspricht genau meiner Meinung =)
      Wenn das mit dem "nicht so viele Gedanken
      machen" doch nur so einfach wäre..

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